Samstag: Über die Karawanken nach Slowenien

Pünktlich am nächsten Morgen trifft der Zug in Villach ein. Das Motorrad ist schnell entladen, mein Handgepäck ist schnell verstaut und ich mache mich auf den Weg nach Ferlach. Dort haben Ulf und ich uns um die Mittagszeit verabredet. Statt der langweiligen Bundesstraße nehme ich die Panoramastraße nördlich der Drau. Der Blick auf den gegenüber liegenden Karawanken-Grenzkamm zu Slowenien ist berauschend. Zur vereinbarten Zeit treffe ich in Ferlach ein. Ulf ist bereits vor Ort, aber auch erst seit 10 Minuten, wie sich dann herausstellt. Wir feiern erst mal Wiedersehen in einem Café. Wir sitzen auf der Terasse bei einer Tasse Kaffee und Quarkstrudel und genießen den Sonnenschein.


Blejsko-See bei Bled; Bild: Michael Panitzki


Kirche am Blejsko-See; Bild: Michael Panitzki

Unser Ziel ist Slowenien mit seiner faszinierenden Bergwelt, spannenden Passstraßen und - so erzählt man sich - unzähligen, völlig legal befahrbaren Schotterpisten. Als Tor dorthin haben wir den südlich Ferlachs gelegenen Loiblpass gewählt. Wir wollen schauen, ob es möglich ist, die alte Passstraße über den ursprünglichen Loiblpass und nicht den neuen Tunnel zu nehmen. Die 14 km zum Pass sind schnell genommen. Die österreichische Auffahrt zur alten Passstraße liegt linkerhand, wenige Meter vor der Grenzkontrollstation. Die Zufahrt zum alten Pass ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt und hier lungern viele Uniformierte herum. Auf der slowenischen Seite hinter dem Tunnel das gleiche Bild. Auch hier ist die alte Passstraße gesperrt. Wir disponieren um und fahren hinunter nach Slowenien.


Wunderschön, ... ; Bild: Michael Panitzki


... aber eiskalt; Bild: Ulf Panitzki

Über Trzic und Lesce fahren wir nach Bled. Dabei kommen wir bei Lesce an der Elan-Werft vorbei, seines Zeichens Hersteller hochwertiger, seegehender Segelyachten. Die vielen halbfertigen Bootsrümpfe auf dem Werksgelände wirken etwas befremdlich in dieser Bergwelt. Aber die Geschäfte scheinen gut zu laufen. Schließlich in Bled angekommen meinen wir zunächst, in eine slowenische Variante von Bad Malente geraten zu sein. Hotelbauten im Betonstil und die Uferpromenade sind mehr oder weniger austauschbar. Das Panorama des Sees mit der darin liegenden Insel und den gegenüber liegenden Bergen belehren uns dann aber doch eines besseren. Malerisch erheben sich Kirche und Burg auf dem gegenüber liegenden Seeufer.


F im Radovna-Tal; Bild: Michael Panitzki


F650 statt röhrender Hirsch; Bild: Ulf Panitzki

Von Bled fahren wir über Spodnje Gore in den Triglav-Nationalpark. Die geschotterte Piste ist nicht ganz einfach zu finden. Die Wegweiser an den unzähligen Kreuzungen und Gabelungen führen z.T. Ortsnamen, die wir auf unserer Karte beim besten Willen nicht finden. Wir folgen schließlich der Himmelsrichtung, beobachten die Topografie und folgen von einem türkisblauen Teich ausgehend dem Verlauf des Radovna-Tals nach Westen und werden fündig. Eine gut gepflegte Schotterpiste führt uns in beschaulicher Fahrt hinein in den Triglav-Nationalpark. Unterwegs treffen wir nur wenige. Wir haben das Tal fast für uns allein. Nach einigen Kilometern, wir befinden uns bereits kurz vor Mojstrana, ist er dann auch zu sehen - der Triglav. Mit 2864 m ist er der höchste Berg und Wahrzeichen des Landes. In stilisierter Form erscheint der Berg auf vielen Wappen und der Flagge Sloweniens.


GS im Radovna-Tal; Bild: Ulf Panitzki


GS im Radovna-Tal; Bild: Ulf Panitzki

Wir erreichen die wenig attraktive Hauptstraße bei Mojstrana. Doch die wenigen Kilometer bis Kranjska Gora sind schnell bewältigt und schon geht es auf der Nordrampe des Vrsic-Passes in zügiger und kurviger Fahrt bergauf. Vorsicht ist in den Kehren geboten. Die Kehren der Nordauffahrt sind im Gegensatz zu denen der Südrampe mit Kopfsteinpflaster versehen. In Schattenlagen ist dies manchmal noch feucht und glatt. Die Passhöhe gleicht einem Supermarktparkplatz. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen und doch ist selten ein Platz frei.


GS am Vrsic-Pass; Bild: Ulf Panitzki


F am Vrsic-Pass; Bild: Michael Panitzki

Die anschließende Fahrt hinunter in das Tal der Soca (it.: Isonzo) entschädigt für den Rummel am Pass. Die quietschblaue Soca rauscht vorbei an steilen Hängen und schneeweißen, schroffen Kalkfelsen zu Tal. Gelegentlich überspannen schmale Hängebrücken den Fluss. Eine besonders kühne Brücke hat es uns angetan. Vorsichtig setze ich einen Fuß nach dem anderen auf die schwankende Konstruktion. In etwa 15 m Tiefe rauschen die blauen Fluten der Soca vorbei. Wirkliches Vertrauen in die Künste des Erbauers will sich bei mir nicht recht einstellen. Ulf geht beherzter vor. Schnellen Schrittes strebt er dem gegenüberliegenden Ufer zu. Die Brücke wippt bedrohlich auf und ab. Jetzt fehlen nur noch die Krokodile im Fluss.


Hängebrücke; Bild: Michael Panitzki

Tolle Konstruktion; Bild: Michael Panitzki


Ulf traut sich; Bild: Michael Panitzki

Wir fahren schließlich weiter und erreichen am späten Nachmittag Kobarid, auf italienisch Caporetto und zu deutsch Karfreit. Es ist Wochenende und wir haben etwas Schwierigkeiten mit der Zimmersuche. Wir finden schließlich im Gasthof "Hisa Franko Casa" in Staro-Selo, etwa 4 km westlich von Kobarid ein Zimmer und buchen für die nächsten drei Nächte. Das dazugehörige Restaurant entpuppt sich als echter Glückstreffer. Zu reellen Preisen wird uns hier ein wirklich erstklassiges Essen serviert. Satt und müde schlummern wir dem kommenden Tag entgegen.


Auf der Brücke; Bild: Ulf Panitzki

Das Wasser der Soca; Bild: Michael Panitzki

Homeweiternach obenzurückStartText: Michael Panitzki, Bilder: Ulf Panitzki und Michael Panitzki