Sonntag: Auf den Stol und Nebelfahrt auf den Mangartpass

Für diesen Tag haben wir uns den Stol vorgenommen. Es ist zwar bewölkt, aber nach Regen sieht es nicht aus. Nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Nach vorheriger Recherche haben wir beschlossen, den Stol von Süden nach Norden zu überqueren, denn die schwierigere Südrampe wollen wir lieber bergauf bewältigen. Der Einstieg zur Südauffahrt liegt nur ein paar Kilometer von unserer Unterkunft entfernt oberhalb der Ortschaft Sedlo. Ein kleines, Selbstgemaltes Holzschild mit einem kleinen Fallschirm und der Aufschrift "Stol" weist einen schmalen, betonierten Weg hinauf. Vorher ABS ausschalten und los geht’s.


Zufahrt zur Südauffahrt des Stol; Bild: Ulf Panitzki

Die Südrampe; Bild: Ulf Panitzki

Die Betonpiste ist nicht sehr lang. Bereits nach wenige Metern ist Schluss damit und mehr oder weniger grober Schotter bedeckt die beiden Fahrspuren. Zwischen den Spuren wächst relativ hohes Gras. Dies erschwert den Spurwechsel. Die Piste verläuft zunächst mit mäßiger Steigung durch lichten Wald, durchsetzt mit Viehweiden. Erst später erreichen wir den eigentlichen, jetzt baumlosen und recht steilen Südhang des Stols. Die ehemalige Kriegsstraße windet sich gut sichtbar in mehreren Kehren im Zickzack den Hang hinauf.


Schotter am Hang; Bild: Ulf Panitzki

Schotter in den Kehren; Bild: Ulf Panitzki

Was bis jetzt noch ein verhältnismäßig gut instand gesetzter Weideweg war, wird nun zusehends zu einer extrem holprigen und fahrerisch ziemlich fordernden und anstrengenden Angelegenheit. Der Schotter wird noch gröber und ist zu allem Überfluss ziemlich tief. Besonders in den engen und teilweise steilen Kehren haben die slowenischen Bergbauern es besonders gut gemeint. Hier liegen die Brocken knöcheltief. Ulf ist mit seiner leichteren F650 hier eindeutig im Vorteil. Ich habe meine liebe Mühe mit den Pfunden der R1100GS.


Nebel zieht auf; Bild: Michael Panitzki

Skeptische Blicke; Bild: Ulf Panitzki

Die ausgefahrenen Spurrinnen zerren am Lenker und meinen Nerven. Es kommt wie es kommen muss. In einem Moment der Unachtsamkeit bremse ich im falschen Moment. Langsam, aber unaufhaltsam legt sich die Kuh unerwartet behutsam auf die rechte Seite. Die GS ist schnell wieder aufgerichtet. Das Anfahren mit den straßenorientierten Pirellis wird aber zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Schließlich fahre ich wieder. Ich konzentriere mich intensiv darauf, nicht zu langsam zu werden, dorthin zu schauen, wo ich auch hin will und Hindernisse nur zu "registrieren" und nicht zu "fixieren".


Ab Abzweig zum Gipfel; Bild: Ulf Panitzki

Erleichterung; Bild: Ulf Panitzki

Der weitere Aufstieg klappt reibungslos. Trotzdem werden die Abstände zwischen den Pausen immer kürzer. Wir erwägen umzukehren, nicht zuletzt wegen den dichter werdenden Wolken. Der Gipfel ist komplett verhüllt. Wie weit ist es noch? Doch zu diesem Zeitpunkt signalisiert uns der barometrische Höhenmesser bereits 1300 m. Eine Abfahrt durch tiefen Schotter schreckt uns mehr als die Weiterfahrt. Die Passhöhe am Abzweig zum Gipfel liegt bei 1406 m. Gleich haben wir es geschafft.


Vorsicht Kühe; Bild: Ulf Panitzki

Am Viehgatter; Bild: Michael Panitzki

Nach weiteren, tief geschotterten Kehren und viel Schweiß erreichen wir schließlich einen Abzweig. Ulf steht bereits dort und wartet. Ein kleines Schild am Wegrand weist zum (für unbefugte Kfz gesperrten) Gipfel des Stol. Der Höhenmesser zeigt 1398 m an. Wir schauen auf die Karte und unverhohlene Euphorie macht sich breit. Wir lachen laut und freuen uns. Der höchste Punkt der Überfahrt ist erreicht. Ab hier soll die Fahrbahn besser werden. Es ist nicht mehr weit bis zu dem kleinen Plateau mit dem Partisanendenkmal. Hier fahren die Landrover, von der Nordseite kommend, die Gleitschirmflieger hinauf auf den Gipfel.


Am Scheitelpunkt; Bild: Ulf Panitzki

Das Partisanendenkmal; Bild: Ulf Panitzki

Wir legen nochmals eine ausgiebige Pause ein, trinken, essen. Den Hang heraufziehende Wolkenschwaden hüllen uns gelegentlich ein und geben der ganzen Szenerie etwas Gespenstisches. Erst unmittelbar vor der Weiterfahrt bemerke ich im Nebel auf der anderen Seite eines Viehgatters, das den Fahrweg versperrt, eine Kuh, die uns beiden neugierig zuschaut. Wir öffnen das Gatter und halten abwechselnd die Kuh in Schach während der andere sein Motorrad hindurch schiebt.


Auf der Nordrampe des Stol; Bild: Ulf Panitzki

Zufahrt zum Stol am Ucja-Pass; Bild: Michael Panitzki

Die nun um die Ostflanke des Gipfels herum führende Piste ist wie vorhergesagt wesentlich besser in Schuss, erheblich flacher und wird von uns als absolute Wohltat empfunden. Wir erreichen schließlich das Partisanendenkmal am Abzweig zur Boziza-Alm. Der Übergang von der Südauffahrt zur Nordrampe ist erreicht. Neben dem Denkmal stehen ein Tisch und zwei Bänke. Doch das Wetter ist zu ungemütlich, auch wenn wir uns bereits im Windschatten des Stols befinden. Ein kurzer Blick in die Karte und wir machen uns auf den Abstieg über die Nordrampe.


Flitscher Klause; Bild: Ulf Panitzki

Flanke der Flitscher-Klause; Bild: Michael Panitzki

Die nun folgende Piste an der Nordflanke des Stols ist erheblich leichter zu fahren als die Nordauffahrt. Eine wirklich gut instand gehaltene Schotterpiste windet sich den Hang hinunter. Nur stellenweise ist der Schotter etwas gröber, aber der Untergrund ist stets fest. Im Gegensatz zum baumlosen Südhang fahren wir nun ausnahmslos durch dichten Wald. Wir passieren eine kleine Wochenendhütte und überholen einen Bergbauern mit seinem Trecker. Ansonsten ist der Berg menschenleer. Schließlich treffen wir 50 m neben der slowenischen Grenzstation am Ucja-Pass auf die Hauptstraße nach Zaga.


Kehle der Flitscher-Klause; Bild: Ulf Panitzki

Zufahrt zur Flitscher-Klause; Bild: Michael Panitzki

Über Zaga und Bovec fahren wir weiter in Richtung Predilpass. 4 km hinter Bovec stoßen wir unmittelbar vor der Brücke über die Koritnica-Schlucht auf eine Festungsanlage. Wir halten an und schauen uns das alte, aber intakte Gemäuer an. Die Flitscher-Klause genannte Anlage ist jünger als zunächst angenommen. Erbaut von den Österreichern zwischen 1881-82 sollte das Fort den Zugang zum Predil-Pass sperren. Im Fort informiert ein kleines Museum. Fotos zeigen das Fort im Ersten Weltkrieg, als die Front vom Predilpass die Soca (it.: Isonzo) entlang bis zur Adria verlief. Von 1915 – 1917 wurde in der gesamten Region erbittert gekämpft. Tausende wurden damals getötet, zerrissen, vergast, verkrüppelt, nahmen Schaden an Leib und Seele.


Tor zur Flitscher-Klause
Bild: Michael Panitzki

Linke Seite der Koritnica-Schlucht
Bild: Michael Panitzki


Rechte Seite der Koritnica-Schlucht
Bild: Michael Panitzki

Wir fahren weiter in Richtung Predilpass. Unmittelbar hinter einer Pionier-Brücke, die über ein Bachbett führt, zweigt rechterhand die Mangartstraße ab. Trotz der sehr niedrigen und inzwischen sehr dichten Wolkendecke beschließen wir, hinauf zu fahren. Die knapp zweispurige Straße ist bis auf das obere Teilstück durchgehend asphaltiert. Unterwegs sind mehrere unbeleuchtete Tunnel zu durchfahren. Je höher wir kommen, desto dichter wird der Nebel. Von der phantastischen Aussicht bekommen wir natürlich nichts mit. Schließlich stehen wir am Ende der asphaltierten Strecke. Vor uns beginnt der Schotter und wir können keine 10 m weit schauen. Aus dem Nichts kommt uns ein Mountainbiker entgegen. Wir drehen lieber um.


Fußweg zum Fort Hermann; Bild: Michael Panitzki

Pionierbrücke am Predipass; Bild: Michael Panitzki

Bereits auf der Abfahrt vom Mangartpass fängt es heftig an zu regnen. Wir sind froh, vom Mangart runter zu sein, denn dort oben schneit es vielleicht. In der Hoffnung, dass es in etwas tieferen Lagen weiter westlich aufhört, fahren wir über den Predilpass hinunter nach Italien. Vorbei am türkisblauen Lago-del-Predil fahren wir auf die Sella Nevea zu. Die Straße gewinnt nur unmerklich an Höhe. Stünde kein Schild am Pass, so würde man diesen kaum als solchen wahrnehmen. Die wenigen Kehren der Westrampe führen vorbei an tristen, jetzt Leerstehenden Skihotels. Auch die Weiterfahrt bis nach Chiusaforte ist eher gleichförmig.


Ulf am Mangartpass; Bild: Michael Panitzki

Michael am Mangartpass; Bild: Ulf Panitzki

Nach einer schnellen Passage durch das Canale di Ferro betreten wir bei Resiutta das malerische Valle di Resia. Unser Ziel ist die Passage über die Sella Carnizza und den Ucja-Pass wieder nach Slowenien. Die malerische Fahrt durch das Tal und die Sella Carnizza ist trotz des Dauerregens eine malerische Angelegenheit. Wir haben die stellenweise sehr enge, aber sehr aussichtsreiche Straße vollkommen für uns allein.


Nebel am Mangartpass; Bild: Ulf Panitzki

Abfahrt vom Mangartpass; Bild: Michael Panitzki

Am Ucja-Pass überschreiten wir wieder die slowenische Grenze. Wir werfen noch einen schnellen Blick auf die Nordflanke des Stols und über Zaga steuern wir auf schnellstem Wege unsere Unterkunft an. Es wird merklich kühler. Die Sonne ist bereits hinter den hohen Bergen verschwunden als wir ankommen. Nach einer belebenden Dusche bin ich wie ausgewechselt. Entspannt und zufrieden lassen wir beim Abendessen den Tag Revue passieren.


Mistwetter an der Sella Nevea; Bild: Ulf Panitzki

Mistwetter auch an der Sella Carnizza; Bild: Ulf Panitzki

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