Dienstag: Ins italienische Friaul

Wir brechen unser Lager in Slowenien ab und verlegen ins italienische Friaul. Wie wir auf unserer Fahrt zum Stol feststellten führt die Straße vom südlichen Einstieg nach Breginj und dann weiter über die Grenze nach Italien. Die Straße führt hinauf in die bewaldeten Berge, wird schmaler und schmaler. Wir passieren das unbesetzte slowenische Grenzhäuschen, überqueren eine Brücke und stehen vor dem italienischen Schlagbaum.


Das Nadiza-Tal; Bild: Ulf Panitzki

Stol bei Breginj; Bild: Michael Panitzki

Ein Vetreter der "Guardia di Finanza" (Zoll) und ein Carabinieri haben uns offensichtlich schon kommen hören. Der junge Zollbeamte macht uns in sehr gutem Englisch klar, dass er hier nur "locals", d.h. Italiener und Slowenen passieren lassen kann. Wir fragen nach der nächsten, für uns legalen Alternative. Es ist der Ucja-Pass, ein Umweg von über 30 km. Entschuldigend sagt der Zöllner: "Sorry guys, for me it’s all EU, but unfortunately I have my orders.". Der Carabinieri sagt kein Wort, hat die Mütze tief in die Stirn gezogen, würdigt uns keines Blickes, sondern blickt nur stur in die Luft. Was bleibt uns anderes übrig? Wir drehen um.

Hinter der nächsten Kurve halten wir an und beraten. Wir sind uns einig, dass der junge Zöllner uns in dieser einsamen Gegend ohne die Anwesenheit der Carabinieri vermutlich einfach hätte passieren lassen. Ein Blick in die Karte verrät uns, dass ein kleiner Weg weiter südlich ebenfalls über die Grenze führt. Es besteht zwar die Chance, dass auch dieser für uns nicht passierbar ist, aber da wir nun schon mal in der Gegend sind, können wir es auf einen Versuch ankommen lassen.


Oberlauf der Nadiza; Bild: Michael Panitzki

Über die Nadiza; Bild: Michael Panitzki

Die schmale Straße windet sich wildromantisch die Berghänge hinab, über ein felsiges Bachbett und anschließend wieder bergauf. Aus dem Asphalt wird grober Schotter und wieder Asphalt. Wir erreichen ein Hinweisschild in slowenischer Sprache. Das "I" im weißen Oval weist darauf hin, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Das weiße Fahrrad auf blauem Grund lässt aber die Interpretation zu, dass der Grenzübergang eben nur diesen gestattet ist.

Wenig später stehen wir vor dem unbesetzten und geschlossenen slowenischen Schlagbaum. Doch die Schranke ist nicht abgeschlossen und lässt sich öffnen. Wir passieren, verlassen den Ort so wie wir ihn vorgefunden haben und stehen unmittelbar darauf vor der italienischen Schranke. Auch hier ist kein Mensch zu sehen. Doch hier ist die Schranke leider mit einem Schloss gesichert. Ohne Koffer lässt sich das Problem jedoch schnell umfahren und kurze Zeit später rollen wir auf italienischem Boden weiter.


Brücke über die Nadiza; Bild: Michael Panitzki

Grenzübergang bei Robidisce; Bild: Michael Panitzki

Das hügelige, dicht bewaldete Bergland westlich der Grenze verschluckt uns. Auf schmalsten, durchweg asphaltierten, aber nicht immer staubfreien Wegen bewegen wir uns durch das Grenzgebiet. Hinweisschilder sind rar. Die Map-Source-Daten im GPS sind aber erstaunlich genau. Zielsicher lotst uns das GPS durch den Urwald. Später passieren wir den etwas verdutzt schauenden Zöllner von vorhin. Von dem Carabinieri fehlt jede Spur.


Kapelle an der Sella Carnizza; Bild: Michael Panitzki

Sella Cereschiatis; Bild: Michael Panitzki

Hinter Lusevera stoßen wir schließlich auf die SS646 zum Passo di Tanamea (851 m). Hier kann wieder Gas gegeben werden. Schnell führt uns die breite und bestens ausgebaute Straße über den Pass nach Uccea. Hier biegen wir links ab und fahren zum zweiten Mal, diesmal in umgekehrter Richtung und ohne Regen, über die reizvolle Sella Carnizza (1086 m) und weiter durch das lauschige Valle di Resia. Durch das offensichtlich im Frühjahr von Schmelzwassermassen ziemlich verwüstete Val d’Aupa und über die Sella di Cereschiatis (1066 m) gelangen wir schließlich nach Pontebba.

Wir wollen den in Motorradfahrerkreisen von teilweise wüsten Geschichten umrankten Passo del Cason di Lanza (1552 m) befahren. Größtenteils geschottert und schwer zu befahren soll er sein. Eine Furt muss gemeistert werden. Viele mussten umkehren. So weit die Mythen und Legenden. Die Zufahrt zur Ostauffahrt ist sehr gut ausgeschildert und signalisiert uns, dass es so wild eigentlich nicht sein kann. Ein schmaler Weg führt entlang des Pontebbana stromauf. Stellenweise wird das Asphaltband von Schotter unterbrochen. Herumstehende Baumaschinen deuten jedoch darauf hin, dass das geändert werden soll.


Ostauffahrt zum Passo di Lanza; Bild: Michael Panitzki

Ulf; Bild: Michael Panitzki

Wir erreichen die ehemalige Furt bei Stúdena-Bassa. Hier steht mittlerweile eine stabile Betonbrücke, deren Dimensionen nicht so recht zu dem schmalen Fahrweg passen. Was hat man mit der Passstraße noch vor? Von der ehemaligen Furt ist mittlerweile keine Spur mehr zu sehen. Zu beiden Seiten der Brücke wurde schwer gearbeitet und viel Erde bewegt. Wir schießen ein paar Bilder. Ich mache mir ein paar Notizen im Kopf. Dann fahren wir weiter.

Weiter oben wird der Weg interessanter. Waren bisher nur kurze Schotterpassagen zu bewältigen, so ist das nun anders. Ein längeres Teilstück ist nun ungepflastert. Besonders in den Kehren liegt zwar stellenweise recht grober Schotter, die Piste ist aber weder ausgefahren noch ausgewaschen und lässt sich daher ohne große Schwierigkeiten bewältigen. Später ist die Strecke aber wieder geteert. Ein brandneues Asphaltband bringt uns vorbei ein steilen Abhängen und Felskanten hinauf zum Pass. Die anschließende Abfahrt nach Paularo ist durchgehend asphaltiert. Stellenweise wird es ziemlich eng und mit Steinschlag muss gerechnet werden. Auch wenn es de facto nicht so ist, so erschien mir die Abfahrt erheblich länger als die Auffahrt.


Brücke über die Pontebbana; Bild: Michael Panitzki

Brücke bei Stúdena-Bassa; Bild: Michael Panitzki

Als wir schließlich Paularo erreichen hat sich der Himmel deutlich zugezogen. Eine geschlossene, Tiefhängende Wolkendecke lässt nichts Gutes erahnen. Mit Hilfe eines freundlichen Passanten finden wir schnell die Zufahrt zur Ostrampe der Forcella di Lius. Wie beschrieben biegen wir in Paularo an der kleinen Kanone ab, passieren die weiße Kirche und schlängeln uns die unzähligen Serpentinen bergauf. Landschaftlich hat die Fahrt durch den Wald nicht viel zu bieten. Ohne weitere Pause fahren wir durch bis Ravascletto. Hier quartieren wir uns im TF-Partnerhaus "Albergo-Bellavista" ein. Wir haben kaum die Motorräder unter dem Vordach geparkt und abgeladen, da öffnet der Himmel seine Schleusen und es regnet wie aus Eimern.

Homeweiternach obenzurückStartText: Michael Panitzki, Bilder: Ulf Panitzki und Michael Panitzki