Donnerstag: Vom Friaul in die Dolomiten

Was tun wir als erstes? Wir werfen einen Blick aus dem Fenster. Mittlerweile nieselt es nur noch. Unsere Pläne sahen eigentlich vor, die Panoramica delle Vette zu befahren. Den Monte Zoncolan und die Gegend rund um den Lago di Sauris wollten wir auch noch erkunden. Doch angesichts der starken Regenfälle steigt die Gefahr von Erdrutschen und anderen, wetterbedingten Behinderungen in den höheren baumlosen Bergregionen. Wir wollen das Schicksal nicht herausfordern und getreu dem Grundsatz „Lieber 10x umgekehrt als 1x in Gefahr“ beschließen wir, weiter nach Westen zu fahren, der Sonne entgegen.


Der schiefe Turm von Prato; Bild: Michael Panitzki

Ich habe den Regenkombi kaum an, da hört es auf zu nieseln. Da ich mein Glück kenne, lasse ich ihn an und auf regennasser Fahrbahn machen wir uns auf den Weg. Über Comeglians fahren wir das Val Pesarina hinauf. Nach einem Fotostop am schiefen Turm von Prato Carnico erreichen wir den Abzweig an der Forcella Lavardet. Hier stellt sich uns nun die Frage. Nehmen wir den asphaltierten Weg über die Sella Ciampigotto oder fahren wir die geschotterte Nordrampe der Forcella Lavardet hinunter?


Die zerstörte Brücke; Bild: Ulf Panitzki

Die neue Brücke; Bild: Michael Panitzki

Die Lösung ist zunächst nur eine halbherzige. Wir fahren zunächst nur bis zu der nicht weit entfernten Behelfsbrücke über den Fluss hinunter, um uns diese Schlüsselstelle an der Nordauffahrt mal aus der Nähe anzuschauen. Es stellt sich heraus, dass die Schotterpiste auch im nassen Zustand recht einfach zu fahren ist. Der Schotter ist weder zu grob, noch zu fein. Zudem klebt er im nassen Zustand ganz gut und ergibt einen passablen Untergrund. Stellenweise sind gut gefüllte Abflussrinnen zu durchqueren, die für fahrerische Abwechselung sorgen.


Erst prüfen ... ; Bild: Ulf Panitzki

... dann fahren; Bild: Ulf Panitzki

Die oft gerühmte Behelfsbrücke, bestehend aus drei Kanalröhren und jeder Menge aufgeschüttetem Schotter wurde inzwischen professionell befestigt. Zwar rauscht das Wasser noch immer durch die Röhren, aber jede Menge Beton und optisch sehr schöne Natursteinplatten als Fahrbahn haben aus dem Provisorium einen wetterbeständigen Dauerzustand gemacht. Da auch an der Piste hinter der Brücke offensichtlich gearbeitet wurde setzen wir die Fahrt fort. Die Piste ist recht breit und fahrerisch einfach. Etwas unmotiviert wirkt die perfekt asphaltierte Kehrenkonstruktion nach etwa 2/3 der Strecke. Schließlich erreichen wir in Campolongo die SS52.


Die neue Zufahrt zum Monte Rite; Bild: Michael Panitzki

Über den Passo del Zovo und Pieve di Cadore fahren wir nach Venas di Cadore. Hier biegen wir ab zum Passo Cibiana (1536 m). Die wenig befahrene Straße ist zweispurig ausgebaut und durchgehend asphaltiert. Direkt auf der Passhöhe beginnt die geschotterte Auffahrt auf den landschaftlich überaus reizvollen Monte Rite (2181 m). Doch das ist inzwischen Geschichte. Die einspurige Strecke ist mittlerweile im unteren Bereich asphaltiert. Der obere Bereich wird z.Z. mit EU-Mitteln weiter bis zum Gipfel ausgebaut. In der alten Gipfelfestung steht mittlerweile das neue „Messner Mountain Museum“. Der Yeti-Reinhold, bescheiden wie er ist, hat sich hier selbst ein steuerfinanziertes Denkmal gesetzt. Wozu war man schließlich EU-Parlamentarier? Eine Befahrung des Weges ist nur Fahrradfahrern und konzessionierten Jeep-Taxis gestattet. 9,- € kostet die Fahrt. Wir verzichten und setzen die Fahrt leicht angewidert fort.


Zufahrt zur Sottogudaschlucht; Bild: Ulf Panitzki

Blick in die Sottogudaschlucht; Bild: Ulf Panitzki

Über die Forcella Staulanza und Caprile fahren wir nach Sottoguda. Die atemberaubende Sottoguda-Schlucht darf mittlerweile nur noch von Fahrradfahrern und Fußgängern durchquert werden. Doch auch ein kurzer Gang zu Fuß ist sehr empfehlenswert. Senkrecht ragen die glatten und grauen Felsen zu beiden Seiten der kaum 15 m breiten Schlucht empor. Als wir kurze Zeit auf der über die über die Schlucht führende Straßenbrücke stehen und einen Blick hinab werfen, bekomme ich unwillkürlich weiche Knie. Tief unten windet sich der schmale Fahrweg. Die Wanderer sind nur noch als Punkte zu erkennen.


Brücke über die Sottogudaschlucht
Bild: Ulf Panitzki

Blick auf Sottoguda
Bild: Ulf Panitzki

Blick in die Sottogudaschlucht
Bild: Michael Panitzki

Nach einer spannenden Auffahrt empfängt uns der 2057 m hohe Passo di Fèdaia mit Nieselregen und kuscheligen 3 Grad. Nebelschwaden wabern über den am Pass angelegten Stausee. Von der südlich gelegenen, gigantischen Marmolata und dem Gletscher ist leider nichts zu sehen. Trotzdem ist der Verkehr hier oben beträchtlich und er nimmt weiter zu. Je tiefer wir kommen, desto stärker wird der Ausflugsverkehr. Im Fassatal ist dann endgültig Schluss mit lustig. Dose reiht sich an Dose und eine flüssige Fahrt fast unmöglich.


Abendstimmung am Karerpass; Bild: Michael Panitzki

Wir sind daher froh, schließlich die Abfahrt zum Karerpass zu erreichen. Zwar haben wir auch hier die Straße nicht für uns alleine, aber wir kommen gut voran. Über Welschnofen fahren wir vorbei an der Rosengartengruppe nach Steinegg oberhalb von Bozen. Nach etwas Sucherei finden wir ein preiswertes Quartier in der Pension Liechtenstein unmittelbar am unteren Ortseingang. Der Blick auf die Stadt Bozen und die schneebedeckte, in der Ferne aufragende Ortlergruppe ist einfach überwältigend.

Homeweiternach obenzurückStartText: Michael Panitzki, Bilder: Ulf Panitzki und Michael Panitzki