Freitag: Ins Trentino und auf die Hochebenen von Luserna und Folgaria

Am nächsten Morgen liegt Steinegg noch im Schatten der Berge, während Bozen im hellsten Sonnenlicht erstrahlt. Nach dem Frühstück satteln wir die Kühe und fahren hinunter ins Tal. Unser erstes Ziel ist der Karerpass. Wir wollen jedoch nicht die normale Zufahrt nehmen, sondern wollen das schmale Tierser Tal befahren. Die Zufahrt zum Tal liegt in Blumau unmittelbar neben der Auffahrt nach Steinegg. Das schmale Tal lässt in seinem unteren Teil man gerade Platz für die Straße und den Bach. Der Verlauf von Blumau über Breien bis Tiers ist stellenweise sehr steil, eng und unübersichtlich. Kehren treten sind auf der gut asphaltierten Straße aber nur wenige zu meistern. Kurz vor Tiers trifft der Weg dann auf die zum Pass heraufführende Hauptstraße. Ab hier wird das Tal nun zusehends breiter und der Blick fällt auf die im Osten stehende Rosengartengruppe.


Westauffahrt zum Nigerpass; Bild: Michael Panitzki

Blick auf die Rosengartengruppe; Bild: Michael Panitzki

Vorbei am smaragdgrünen Karersee fahren wir über Birchabrück hinauf zum Lavazejoch. Das Joch präsentiert sich wider Erwarten nicht als klassischer Sattel, sondern als almartige Hochebene, umstanden von dunklem Nadelwald. Am Abzweig zum Jochgrimm steht ein Gasthaus. Tiefhängende Wolken und die Reste des Frühnebels lassen uns weiter ins Fleimstal fahren. In Castello-Molina-di-Fiemme scheint die Sonne. Der Himmel ist blau und es ist angenehm warm. Wir suchen ein Café auf und bei einem Cappucino schauen wir dem Treiben auf der Straße zu.


Hochebene am Lavazejoch; Bild: Michael Panitzki


Cappucino in Castello-Molina; Bild: Michael Panitzki

Das Asphaltband führt uns durch dunkle Wälder das Val Cadino hinauf. Die Straße wird schmaler. Die Kehren nehmen zu und der Wald tritt zurück. Kehre um Kehre steigen wir weiter bergauf. Nach spannender Kurbelei erreichen wir bei 2047 m die schmale Passhöhe. Unmittelbar unterhalb der Passhöhe liegt der Lago Cadinello, daneben eine bewirtschaftete Hütte, das Baita Mánghen. Die Aussicht zu beiden Seiten des Passes ist phantastisch. Die Südrampe ähnelt fahrerisch der Nordrampe. Das südliche Val di Calamento ist landschaftlich aber etwas lieblicher. Trotz der vielen Kehren, der steilen Hänge und der damit verbundenen fahrerischen Anspannung ist die Fahrt durch die fast parkähnliche Landschaft ein echter Hochgenuss.


Ulf im Café; Bild: Michael Panitzki


Hauptstraße von Castello-Motina; Bild: Michael Panitzki

Wir fahren durch das Val Sugana in Richtung Westen. Unser Ziel ist die sog. Kaiserjägerstraße. Bereits aus der Ferne ist das dünne Zickzack-Band der Straße zu erkennen, das sich eine fast senkrecht erscheinende Felswand empor schlängelt. Bis vor ein paar Jahren noch teilweise geschottert, ist die die ehemalige Kriegsstraße heute durchgehend asphaltiert und bis auf zwei sehr enge Tunnel und einzelne Passagen knapp zweispurig ausgeführt. Von der Straße hat man einen atemberaubenden Blick hinunter ins Suganatal, den Caldonazzosee und den Lévicosee. Ursprünglich angelegt für die mörderischen, Menschen und Material verschlingenden Kämpfe auf der Hochebene der Sieben Gemeinden lockt die Straße heute vornehmlich Motorrad- und Fahrradfahrer.


Nordauffahrt zum Manghenpass; Bild: Ulf Panitzki


Rifugio am Manghenpass; Bild: Michael Panitzki

Beim Albergo Monte Rovere erreichen wir die Hochebene und mir ist als betrete ich eine andere Welt. Die Hochebene ist eine liebliche, sanft rollende und von der Sonne beschienene Hügellandschaft. Grüne Grasmatten und Nadelwälder wechseln sich ab. Wir rollen im entspannten Tempo den Passo di Vézzena (1402 m) hinauf. Vor uns erhebt sich der Monte Verena, unser angepeiltes Ziel. Kalt und abweisend verhüllt er sein Haupt in grauen Wolkenschleiern. Linkerhand führt eine geschotterte, aber leider gesperrte Piste zur Ruine des österreichischen Sperrforts Busa Verle und weiter zur Cima Vezzena und der Porta Manazzo. Rechts führt die Straße nach Luserna, geradeaus nach Asiago.


Auf der Passhöhe; Bild: Ulf Panitzki


Nebel am Manghenpass; Bild: Ulf Panitzki

Anstatt in die graue Suppe rund um den Monte Verena zu fahren nehmen wir den Weg nach Luserna. Ein brandneues Asphaltband führt uns durch den Wald, vorbei an der gesperrten Zufahrt zu einer weiteren Festung, hinunter nach Luserna. Die kleine Ortschaft liegt malerisch am Rand der Hochebene. Von der Kante hat man einen tollen Blick hinunter in das Val d'Astico. Die beherrschende Lage über dem Tal wurde dem Ort im Ersten Weltkrieg zum Verhängnis. Er wurde vollkommen zerstört. Gedenksteine und ein Museum erinnern daran. Am Ostrand eines kleinen Seitentals fahren wir in nördliche Richtung durch den Wald und treffen kurz darauf am Albergo Monte Rovere wieder auf die SS349.


Südauffahrt zum Manghartpass; Bild: Ulf Panitzki


Blick auf den Lago di Caldonazzo; Bild: Ulf Panitzki

Wir verlassen die Hochebene von Lavarone. Vorbei an Lavarone und über Carbonare fahren wir auf allerfeinstem Asphalt wunderbare Kurvenkombinationen hinauf auf zum Passo del Sommo (1343 m). Der Pass ist der Zugang zur Hochebene von Folgaria. Wir biegen am Pass ab und fahren in südwestliche Richtung zum Passo della Vena (1496 m). Hier biegen wir rechts ab. In schön zu fahrenden Kurven, aufgelockert durch ein paar Kehren geht es vom Passo della Vena stetig höher hinauf, der Baumgrenze entgegen. Es werden mehrere Tunnel und Lawinengalerien durchfahren. Die Landschaft wird felsig und karg. Die Scharte des Passo di Valbona (1782 m) ist bereits deutlich auszumachen. Nach dem Überschreiten des Passes führt die Straße hinab in die eigentliche Hochebene.


Kehre auf der Kaiserjägerstraße; Bild: Ulf Panitzki


Fahrt auf der Kaiserjägerstraße; Bild: Ulf Panitzki

Auch auf der Hochebene von Folgaria wurde vor nunmehr fast 90 Jahren schwer gekämpft. Insgesamt vier Befestigungsanlagen sind über die Ebene verteilt. Wir wollen uns das Werk Sommo Alto oberhalb des Rifugio Stella d'Italia anschauen. Wenige Meter westlich des Passo Coe (1610 m) führt eine Schotterpiste hinauf zum Rifugio Camina. Von dort geht es weiter in nördlicher Richtung westlich des Bergkamms entlang zum Rifugio Stella d'Italia (1536 m). Unmittelbar am Rifugio Stella d'Italia beginnt die eigentliche Zufahrt zum Forte Sommo Alto (1613 m). Die gesamte Strecke wird in einem italienischen Reiseführer als "molto panoramica" bezeichnet. Soweit die Theorie. Die gesamte Strecke ist aber leider wegen Bauarbeiten gesperrt. Ein Sperrgitter mit Schild und Verordnung sperrt die Zufahrt. Lediglich Fußgängern und Fahrradfahrern war die Benutzung gestattet. Es sieht so aus, als ob der motorisierte Verkehr auch in Zukunft ausgesperrt bleibt. Wir fahren über Folgaria zurück zum Passo del Sommo und überprüfen die nördliche Zufahrt. Auch hier steht eine Sperre.


Straße über den Passo Coe; Bild: Michael Panitzki


Straße über das Lavazejoch; Bild: Michael Panitzki

Wir machen uns auf den Weg zurück nach Steinegg. Über den Passo della Fricca (1110 m) fahren wir hinunter zum Lago di Caldonazzo. Anstelle des Passo Mánghen geht die Fahrt jetzt durch das Fersental, über den Passo del Redebus wieder ins Val Sugana. Vorbei an unserem Café in Molina geht es über das Lavazejoch wieder nach Südtirol. Die Sonne ist bereits hinter den Bergen verschwunden, als die Reifen in Steinegg über die gekieste Einfahrt unserer Frühstückspension knirschen.

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