Samstag: Durch die nördlichen Dolomiten und die Karnischen Alpen

Der letzte Tag ist gekommen und begrüßt mich mit strahlendem Sonnenschein und einem blauen Himmel wie er blauer nicht sein könnte. Bozen erstrahlt im Sonnenlicht und in der Ferne funkelt glitzernd und verführerisch die Ortlergruppe und flüstert mir leise zu, doch hier zu bleiben. Doch es hilft alles nichts. Heute Abend geht mein Zug ab Villach. Wir nutzen die frühe Stunde und fahren durch das landschaftlich reizvolle Grödnertal hinauf zum gleichnamigen Joch. Auch wenn es eine viel befahrene Strecke ist und die Orte voll und ganz auf den Tourismus zugeschnitten sind, so ist die Landschaft wirklich einmalig. Die noch recht flach stehende Sonne taucht die umliegende Berglandschaft in ein einmaliges und zauberhaftes Licht.


Das Sella-Massiv; Bild: Michael Panitzki


Blick vom Grödner Joch; Bild: Ulf Panitzki

In Covara gelangen wir in das Brandner Tal. Diesem folgen wir bis Zwischenwasser. Die landschaftlichen Eindrücke sind vielfältig. Die gut ausgebaute Straße windet sich immer am Flusslauf entlang durch das mal breite, mal felsig enge Tal. Interessant ist die Dreisprachigkeit der Ortsschilder. Neben der deutschen und der italienischen Bezeichnung tragen die Schilder auch die ladinische Bezeichnung des Ortes. Im Rahmen einer jahrzehntelangen Italisierungspolitik konsequent unterdrückt, wird diese in nur noch wenigen Tälern Südtirols gesprochene Sprache inzwischen wieder gepflegt. In Zwischenwasser biegen wir ab in Richtung Enneberg. Unser Ziel ist der Furkelsattel. Bestens ausgeschildert führt uns die landschaftlich reizvolle Passstraße hinüber ins Pustertal. Von der Nordrampe haben wir einen einmaligen Blick auf Olang im Pustertal, den Zugang zum Antholzer Tal und die im Norden auf über 3000 m aufsteigende Riesenfernergruppe.


Ostabfahrt vom Grödner Joch; Bild: Michael Panitzki


Ulf am Grödner Joch; Bild: Michael Panitzki

Wir fahren durch das Pustertal in Richtung Osten. Zunächst können wir die Schnellstraße noch über Nebenstraßen umgehen. Doch schließlich rollen wir auf der SS49 über die Grenze nach Österreich. Hinter Panzendorf verlassen wir das Pustertal und fahren hinauf zum Kartitscher Sattel (1529 m). Während die Auffahrt noch ganz reizvoll ist, kann ich der anschließenden Fahrt durch das Lesachtal überhaupt nichts abgewinnen. Die Straße ist fahrerisch langweilig, die Dörfer wirken heruntergekommen und der Himmel zieht sich immer zu, je weiter wir nach Osten kommen.


Blick auf die Rieserfernergruppe; Bild: Ulf Panitzki

Bei Tröpolach entschließen wir uns dann, über den Nassfeldpass (1552 m) wieder nach Italien zu fahren. Die Nordauffahrt zur Passhöhe lässt sich ziemlich flott fahren. Straße, Kurven und Landschaft erinnern an die Eifel. Die Auffahrt ist halt nur etwas länger. Hinter einer letzten Kurve stehen dann unvermittelt eine ganze Anzahl von Hotelburgen. Dahinter liegt ein kleiner Stausee, im Hintergrund die zunächst vermisste Bergkulisse. Die anschließende Abfahrt nach Italien ist in jeder Hinsicht spannender. Zudem scheint in Italien wieder die Sonne. Der Himmel ist strahlend blau. Die Straße ist schmaler, die Kurven enger, das Tal spektakulärer. Ein Kehrentunnel mit Kopfsteinpflaster ist zu durchfahren. Ein zweiter wird mittlerweile umfahren. In Pontebba erreichen wir schließlich das Kanaltal.


See am Nassfeldpass; Bild: Ulf Panitzki

Wir folgen auf der SS54 dem Tal bis Tarvisio. Von hier ist es nur noch ein Katzensprung bis nach Villach zum Bahnhof. Wir haben noch etwas Zeit und nehmen den kleinen Umweg über Slowenien und den Wurzenpass. Die slowenische Seite des Passes ist zwar kurz, kann aber mit netten Kurvenkombinationen überzeugen. Die längere österreichische Abfahrt nervte mit mehreren Sonntagsfahrern und einem völlig überzogenen Tempolimit von 30 km/h.


Ulf am Nassfeldpass; Bild: Michael Panitzki


Kehrentunnel am Nassfeldpass; Bild: Michael Panitzki

Wir erreichen schließlich Villach und auch die Autoverladestation ist dank der perfekten Ausschilderung schnell gefunden. Ulf muss noch nach Graz weiter. Kurz nachdem er gefahren ist beginnen auch die Verladeformalitäten und wenig später steht meine Kuh perfekt verzurrt auf dem Waggon. Bis dann endlich auch alle Dosen geparkt sind vergeht noch eine Weile, doch schließlich rolle ich heimwärts in Richtung Norden. Mit etwas Wehmut stehe ich am geöffneten Fenster und sehe den von der Abendsonne glutrot leuchtenden Mangart langsam in der Ferne verschwinden.

Homenach obenzurückStartText: Michael Panitzki, Bilder: Ulf Panitzki und Michael Panitzki